prof. dr.
Dieter Georg Herbst

Clapperboard

Storytelling

Geschichten sind eine hirngerechte Form der Kommunikation und daher äußerst wirkungsvoll. 

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn sie an Greenpeace denken? Sicher die Geschichte des kleinen Schlauchbootes, das gegen den großen Öltanker kämpft. David gegen Goliath. Solche Geschichten fallen auf, sie informieren uns, sie lösen Gefühle in uns aus und wir erinnern uns besonders gut und gern an sie.

Schon von Kindesbeinen an lernen wir die Welt durch Geschichten kennen, die wir auf dem Schoß unserer Eltern und Großeltern gehört haben. Wir erfahren, welche Konflikte es in der Welt gibt und nach welchen Regeln Menschen diese Konflikte austragen und zu lösen versuchen. Wir lernen Muster, wie jenes, dass das Gute das Böse besiegt und dass sich Hässliches in Schönes verwandeln kann, wie der Frosch, der zum Prinzen wird. So lernen wir weit mehr als das eigentlich Gesagte. Wie leicht Kinder das Muster von Geschichten lernen, zeigt sich schon in sehr jungen Jahren, wenn sie uns einen Vorfall mit den Worten erzählen: »Stell Dir vor, Mammi, was mir passiert ist!«

Später in unserem Leben rufen wir die aus Geschichten gelernten Muster unbewusst ab und prüfen, ob wir mit ihnen eine Situation einordnen und mit den gelernten Mustern unsere eigenen Probleme lösen können, damit wir Wohlbefinden erlangen. Ein Beispiel ist der Amerikanische Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär, der viele Menschen dazu gebracht hat, in die USA auszuwandern und dort ihr Glück zu suchen.

Auch Unternehmen und Marken lernen wir immer noch am besten kennen, wenn wir von ihnen Geschichten hören. Daher gewinnt Storytelling immer weiter an Bedeutung. Dahinter steht die Erkenntnis, dass sich Geschichten hervorragend eignen, Fakten über ein Unternehmen interessant und manchmal sogar spannend zu verpacken.

Wir mögen Unternehmen, die uns eine interessante und ansprechende Geschichten über sich erzählen: Geschichten über deren Werdegang, Geschichten über deren Arbeit und deren Leistungen, Geschichten über begeisterte Kunden, Geschichten vom Erfolg. Durch die Geschichten erfahren wir die Beweggründe, Träume und Visionen der Firmenlenker, deren Erfolge und Misserfolge, deren Zweifel und Gewissheiten, wir erfahren von den Motiven der Mitarbeiter und Kunden. Kurzum: Den Stoff, aus dem Geschichten gemacht sind.

Storytelling können kleine, mittlere und große Unternehmen in ihren einsetzen, aber auch Non-Profit-Organisationen: So könnte Amnesty International zeigen, wie ihre Mitglieder die Mitmach-Idee der Organisation umsetzen. Die Deutsche Krebshilfe kann erzählen, wie sie den Kampf gegen diese heimtückische Krankheit führt, manchmal zurückgeworfen wird, dann aber wieder einen Schritt vorankommt.

Das Ergebnis von Storytelling ist, dass die wichtigen internen und externen Bezugsgruppen ein klares Bild vom Unternehmen und seiner Zukunft entwickeln und sich daraufhin positiver gegenüber dem Unternehmen verhalten: Mitarbeiter setzen sich stärker für ihr Unternehmen ein, wenn sie die Geschichte von der gemeinsamen, erfolgreichen Zukunft verbindet; Geldgeber wollen sich an dieser Erfolgsstory beteiligen und davon profitieren; Journalisten berichten über jene Unternehmen häufiger, die ihnen interessante Geschichten zu bieten haben.

Gute Storys fallen auf, sind leicht verständlich und halten das Interesse der Bezugsgruppen. Wer hört sie nicht gern: die Geschichte von der Firmengründung in der Garage bis zum Einzug in die Wall Street? Andere Unternehmen erzählen, wie sie hart für Qualität arbeiten, welche Hindernisse sich ihnen hierbei in den Weg stellen und wie sie diese überwinden.

Storytelling – die Kunst des Erzählens

Die Tourismus-Fachzeitschrift saison hat in ihrer Ausgabe 03/2011 ein Sonderheft zum Thema Storytelling herausgebracht. Mein Beitrag heißt: “Storytelling – die Kunst des Erzählens”. http://issuu.com/tirol/docs/saison_03_2011